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International Coral Reef Symposium (ICRS)
2004 OKINAWA

SEALAIX'06
Sea level changes: Records, processes and modeling
25-29 September 2006, GIENS (France)

 

 

Copyright © 2006 by ZMT

homepage URL:
http://isrs2006.zmt-bremen.de

Abstracts.

Hauptvorträge.

 

Öffentlicher Abendvortrag.

20.09.2006, 20 Uhr,
im Haus der Wissenschaft, Großer Vortragssaal, 1. OG (Lageplan)
Eintritt frei, Vortrag in Deutsch

 

Reinhold LeinfelderProf. Dr. Reinhold Leinfelder

Humboldt-Universität zu Berlin, Germany

Museum für Naturkunde

Ein Ökosystem im Umbruch - die Riffe der Jurazeit

Das Jura-Zeitalter ist wegen seiner häufig gigantischen Dinosaurier einer breiten Bevölkerung ein Begriff, zumal es die Grundlage für Film-Erfolge wie der Jurassic Park – Serie oder der populärwissenschaftlichen BBC-Produktion „Walking with Dinosaurs“ war. Neben aller Fiktion ist doch Tatsache, dass die Artenvielfalt während der Jurazeit, also vor etwa 200-140 Millionen Jahren, förmlich explodierte. Dies gilt für Saurier, insbesondere aber für marines Leben. Während der späten Jurazeit, also vor etwa 150 Millionen Jahren, breiteten sich Riffe wie nie zuvor oder hinterher über die Erde auf. Riffregionen breiteten sich mehrere Zehntausende Kilometer aus, sie reichten z.B. von Kasachstan über Europa bis Florida oder von England bis Tansania.

Neben Korallenriffen gab es auch andere Rifftypen, wie Schwammriffe oder Mikrobenriffe, die alle an spezielle Umweltmilieus angepasst waren. Die Steinkorallen der jurassischen Korallenriffe gehörten bereits zu der heutigen modernen Gruppe der skleractinen Korallen, sie waren bereits ähnlich komplex wie ihre heutigen Vertreter. Allerdings gab es eine weit größere Fülle verschiedener Korallenrifftypen und, damit verbunden, auch spezieller Korallenriff-Mileus. Ursache dafür ist die Tatsache, dass sich die Strategie der heutigen tropischen Riffkorallen, sich über eine Lebensgemeinschaft mit einzelligen Algen an die extreme Nährstoffarmut der Hochsee anzupassen, während der Jurazeit gerade erst entwickelt wurde.

Parallel dazu gab es noch viele weitere Anpassungsstrategien, die jedoch nicht bis heute Bestand hatten. Um diese Strategien zu erläutern, hilft ein „schwäbischer Häuslebauer-Ansatz“: wenn wir jurassische Riffe als Häuser betrachten, hängt deren Größe, Struktur und Komplexität von den verfügbaren Baugrundgegebenheiten, der Energieverfügbarkeit, Vorgaben in der weiteren Bau-Umgebung, aber auch von der Verfügbarkeit von Mitarbeitern und Baumaterialien ab.

Jurassische Riffe sind indirekt eigentlich sehr bekannt, auch wenn uns dies nicht immer bewusst ist. So prägen sie mit ihren Felsrelikten die herrlichen Landschaften der Schwäbischen und Fränkischen Alb, und werden in einer Vielzahl bekannter Bau- und Fassadensteine, etwa als Adneter Marmor aus der Salzburger Gegend oder Treuchtlinger Marmor aus Süddeutschland. Auch für Zahnpasta oder Ausgangsprodukt für die Pharmazie finden Jurariffkalke häufig Anwendung. Schließlich wird nach wie vor das meiste Erdöl und Erdgas aus jurassischen Riff- und Rifflagunenkalken der Arabischen Halbinsel produziert. Vielleicht sollten wir die Jurazeit deshalb besser als Jura-Riffpark, weniger als Jura-Dinopark bezeichnen.

Siehe auch: Jurassic Reef Park: www.palaeo.de/edu/JRP (in Deutsch und Englisch)